VERGISS MAL NICHT – Gemeinsam gegen Geschichtsvergessenheit und Verdrängungskultur

By | 1. November 2017

Nie wieder!“, so lautete das Motto, unter dem wir letztes Jahr zusammen mit fast 700 Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie SchülerInnen und BürgerInnen auf dem Domplatz standen, um gegen die wachsende Geschichtsverdrängung zu demonstrieren.

Nun, ein Jahr später, werden wir wieder auf die Straße gehen.

Unter dem Motto “Vergiss Mal Nicht – Gegen Geschichtsvergessenheit und Verdrängungskultur” wollen wir auf die Ereignisse des 9. Novembers 1938 aufmerksam machen. Ein Datum, das die jüngere deutsche Historie so nachdrücklich geprägt hat, wie kaum ein anderes.

Am 09. November 1938 begannen mit der Reichspogromnacht die Novemberpogrome. Es kam zu gezielten Brandanschlägen auf Synagogen und Hetzjagten auf jüdische MitbürgerInnen. Hierbei spielte auch Magdeburg als eine der ersten betroffenen Städte eine zentrale Rolle. Spätestens an diesem Tag musste jedeR in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord legitim geworden waren. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit. (1)

Dennoch gibt es MitbürgerInnen, wie beispielsweise Ursula Haverbeck, die wider jeglicher Tatsachen den Holocaust leugnen. Im Jahr 2011 empörte die rechtsextreme Partei NPD damit, dass sie ein Wahlplakat mit dem Slogan “Gas geben” im Zuge der Abgeordnetenhauswahl vor dem jüdischen Museum in Berlin aufhing.

Im Januar agitierte der thüringische Politiker Björn Höcke in Dresden, dass sich die Deutschen mit ihrer “Bewältigungspolitik” selbst lähmen würden und es eine “erinnerungspolitische Wende um 180 Grad brauche.” Dazu sagte er: “Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von Euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben – wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, dass sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. (Applaus)” (2)

Alexander Gauland äußerte sich am 2. September dieses Jahres mit Blick auf die NS-Zeit: „Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen.“ Weiter führte er aus: “[wir haben das Recht], stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“ (3)

Als dritte Generation, die in Frieden aufwächst, liegt es nah, mit der Vergangenheit abschließen zu wollen. Es ist wahr, dass uns keine Verantwortung für die Gräueltaten des NS-Regimes mehr zugeschrieben werden kann.

Wir haben aber die Verantwortung, diese Gräueltaten als solche in Erinnerung zu behalten, privat für uns und in der Gesellschaft.

Wir haben die Verantwortung den letzten Überlebenden der Shoa beizustehen.

Wir haben die Verantwortung aus der Geschichte zu lernen, ein wiedererstarken faschistischer Tendenzen zu erkennen und in ihren Anfängen zu bezwingen.

Solche besorgniserregenden Aussagen und Tendenzen wie die oben bringen uns zu der Auffassung, dass wir uns gerade als Studierende, SchülerInnen und mündige BürgerInnen heute mehr denn je klar positionieren müssen. Gegen Geschichtsvergessenheit, gegen Antisemitismus und gegen einen erstarkenden Revisionismus.

Lasst uns unsere Meinung auf die Straße bringen.
Laut- und Meinungsstark!

VERGISS MAL NICHT!

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WAS? Demonstration “Vergiss Mal Nicht – Gegen Geschichtsvergessenheit und Verdrängungskultur”

WANN? 09. November 2017 | 18:30 Uhr

WO? Hasselbachplatz

*Informationen zu RednerInnen, Route und Aktionen folgen/ mehr Informationen unter: https://www.facebook.com/events/1850022985027282/

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(1)
https://www.lpb-bw.de/reichspogromnacht.html
(2)
http://www.deutschlandfunkkultur.de/afd-und-ns-gedenken-so-geht-rechte-geschichtspolitik-in.976.de.html?dram%3Aarticle_id=377934
(3) https://www.welt.de/politik/deutschland/article168663338/Gauland-fordert-Recht-stolz-zu-sein-auf-Leistungen-in-beiden-Weltkriegen.html